Der wirtschaftspolitische Jahresauftakt des BVMW Sachsen-Anhalt

Am 07. Februar 2020 waren wir zum wirtschaftspolitischen Jahresauftakt des BVMW Sachsen-Anhalt in die Johanniskirche in Magdeburg eingeladen. Der Bundesverband mitteldeutsche Wirtschaft eröffnete mit der Band des CJD Sachsen-Anhalt die Veranstaltung. Mit Liedern wie „Aufstehen, aufeinander zugehen“ sorgte die Gruppe für Stimmung unter den Gästen.

Nach einer kurzen Anmoderation von Frauke Rauner (Radio SAW) richtete sich Peter Martini, Leiter des Kreisverbandes, mit einer Eröffnungsrede an das Publikum, in der er den Fachkräftemangel und die Digitalisierung als maßgebliche Herausforderungen für den Mittelstand identifizierte. Dem schloss sich Rainer Nitsche, Beigeordneter des Dezernates für Wirtschaft, Tourismus und regionale Zusammenarbeit, der in Vertretung für Oberbürgermeister Lutz Trümper sprach, an.

Neben den allgemeinen Herausforderungen wurden aber auch hochaktuelle Themen in die Reden eingebunden.

So war auch das Wahldesaster von Thüringen ein großes Thema, dass sich durch die Veranstaltung zog – nicht zuletzt wegen seiner drohenden Auswirkungen auf die mittelständische Wirtschaft. 

Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Prof. Dr. Armin Willingmann positionierte sich in seiner bewegenden Rede ganz eindeutig gegen Rechts und machte deutlich, dass das Ergebnis der Wahl kein „Betriebsunfall“ sei. Willingmann vertrat Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff, der aufgrund der Ereignisse in Thüringen kurzfristig absagen musste.

Willingmann bekräftigte, es bedürfe einer „Brandmauer gegen den Unfug der neuen Nationalisierung“ und betonte, dass rassistische Positionen nicht mehrheitsfähig werden dürfen. Nur eine feste Politik würde eine starke Wirtschaft hervorbringen, nicht etwa die aktuelle Instabilität. Außerdem müssten die ländlichen Regionen im gleichen Maße wie die Ballungsräume Magdeburg und Halle (Saale) gefördert werden, um den Mittelstand auf Kurs zu halten.

Entgegen mancher kritischer Stimmen sieht er die Digitalisierung als Chance für neue Arbeitsplätze und nicht als Gefahr, denn: „Wo keine Krise ist, muss keine herbeigeredet werden.“

Zum Ende seiner Rede befürwortete er den Beschluss des Zuwanderungsgesetztes mit unbürokratischen Verfahren, um eine realistische Umsetzbarkeit erzielen zu können, da der drohende Fachkräftemangel durch die Geburten im Land und die steigende Attraktivität Sachsen-Anhalts für deutsche Arbeitskräfte allein nicht ausreiche.

Auch der Vizepräsident des BVMW, Dr. Jochen Leonhardt, griff die Thüringenproblematik auf und forderte Verlässlichkeit für den Mittelstand und keine Einbahnstraßenpolitik.

Er betonte weiterhin besonders eine Besinnung auf die Nachhaltigkeit und kritisierte die Konsumgesellschaft, indem er als Beispiel die neuerliche Bonpflicht ansprach.

In seiner Rede verlangte er, die Fach-, Haupt- und Realschulen mehr zu fördern, um anschließende Ausbildungsberufe und somit den Mittelstand zu stärken. Um auf ein besonders regionales Thema einzugehen, war Andrea Jozwiak vor Ort.

Sie ist für das Marketing im Bewerbungsbüro Magdeburg 2025 zuständig und informierte zum aktuellen Stand um die Bewerbung zur Kulturhauptstadt der Stadt Magdeburg und zeigte Chancen für die Wirtschaft auf. So fließen für jeden investierten Euro die sechsfache Menge in das Land Sachsen-Anhalt zurück.

Da Magdeburg das Konzept, die Größe, Infrastruktur, Hotels, die Kultur und vieles weitere als Grundvoraussetzung für einen Erfolg habe, stelle sich nur noch die Frage: Hat Magdeburg auch den Willen? Die Auflösung erfahren wir am 23.09.2020, denn an diesem Tag fällt die Entscheidung, welche Stadt den Titel für sich gewinnt.

Patrick Meinhardt, Direktor Politik Europa des BVMW, thematisierte anschließend die Fehlkalkulationen im Digitalpakt und die zu großen bürokratischen Hürden, die die Schulen bereits vor einer Antragstellung zurückschrecken lassen.

Es habe bisher noch keine Schule aus Sachsen-Anhalt Gelder bezogen. Er unterbreitete einige Vorschläge, wie die Digitalisierung in einem anderen Tempo voranschreiten könne, wie beispielweise eine gleichmäßige Ausschüttung auf alle Schule verbunden mit einer eigenverantwortlichen Infrastruktur.

Das Bildungssystem müsse wieder „vom Kopf auf die Füße“ gestellt werden, um die berufliche Bildung in das Zentrum der Debatte zu rücken und die Ausbildung im gesellschaftlichen Ansehen auf eine Stufe mit dem Studium zu stellen.

Zum Abschluss der Veranstaltung gab es eine offene Podiumsdiskussion mit Patrick Meinhardt, Prof. Dr. Bernd Okun (DeVacto Akademie Leipzig) und Hans-Georg Ehle (Ehle Insystec GmbH) zu den Themen Nachfolge, Fachkräfteausbildung, Digitalisierung und Zuwanderung.